Die Fahrradorganisationen
Geschichte
Im Mai 1975 organisierten Radfahrer aus dem Norden und Süden des Landes auf Initiative der Groene Fietsers (grüne Fahrradfahrer) aus Antwerpen und des Brüsseler „Comité d’Action des Transports Urbains“ eine Demonstration mit mehrere Tausend Fahrradfahrern. So entstand der GRACQ bzw. OAF, die Forschungs- und Aktionsgruppe für tägliche Radfahrer (Groupe de recherche et d’action des cyclistes quotidiens/Onderzoek & Actie van de Fietsers). Im Jahr 1975 wurden in Europa noch einige andere Organisationen zur Wahrung der Interessen von Fahrradfahrern gegründet (unter dem Einfluss der Gestirne oder durch die nachdenkliche Stimmung nach der Ölkrise).
Die Jahre 1975-1987 begannen schlecht: mit zwei Ministerialerlässen, in denen es den Gemeinden untersagt wurde, Fahrradfahrern das Fahren gegen Einbahnstraßen zu erlauben, und bei öffentlichen Bauarbeiten dazu aufgefordert wurde, Fahrradwege zugunsten verbreiterter Straßen aufzugeben. Während sich in Flandern Aktionen auf kleine städtische Gruppen verteilten, die sich beispielsweise in Antwerpen auf die Abschaffung der Fahrzeugsteuer für Fahrräder konzentrierten (FoFo), gelang es GRACQ, in der Region Brüssel (1976) und in Wallonien (1985) beratende Fahrradausschlüsse einzurichten (so genannte Commissions Consultatives Vélo). Diese waren mit der Organisation von Kundgebungen, Fußmärschen und der Veröffentlichung der Broschüre „Les cyclistes dans la circulation’’ (Radfahrer im Verkehr) für die Renaissance des Fahrrads in Städten treibende Kraft. Die Straßenverkehrsordnung wurde von diesen Fahrradausschüssen eingehend geprüft und es wurden Empfehlungen formuliert.
Parallel dazu hatten europäische Maßnahmen von GRACQ zur Folge, dass die Organisation sich ab 1980 in Bremen an den Velo-city-Konferenzen und der Gründung des Europäischen Radfahrerverbandes (ECF, 1983) beteiligte. Dank der internationalen Kontakte konnten vorbildliche Praktiken übernommen werden, wie zum Beispiel Straßenschulungen für Erwachsene (Schweiz), für Kinder (Großbritannien und Luxemburg), für Ausländer (Niederlande, Frankreich) oder Fußmärsche mit Kundgebungen (Deutschland und Spanien).
Während in Belgien ansässige Gruppen (wie das „Comité des Cyclisses Lidjwés’’ aus Lüttich) sich GRACQ als Sektionen anschlossen, gründeten entsprechende Gruppen in Flandern (wie zum Beispiel „Perpetuum Mobile’“ aus Gent) Ende der 90er Jahre die Dachorganisation „Fietsoverleg Vlaanderen“. GRACQ trat dieser bei, um für ausreichend Kohärenz zur Wiederaufnahme von Fahrradfahrern in die Verkehrsgesetzgebung zu sorgen. Dies wurde 1990 erreicht; 1988 und 2004 wurden weitere Verbesserungen erzielt.
Nach Gründung der Region Brüssel-Hauptstadt formierte sich in Brüssel eine niederländischsprachige Gruppe, „‘t Greun Veloske“, die mit dem Brüsseler GRACQ so intensiv und gut zusammenarbeitete, dass eine gemeinsame, zweisprachige Dienstleistungsorganisation gegründet wurde: Pro Velo (1992) wurde unter anderem beauftragt, mit politisch aktiven Radfahrern der beiden Gewerkschaftsorganisationen ein umfassendes regionales Fahrradwegenetz (ICR) und eine Reihe von Maßnahmen auszuarbeiten, die die „apolitische“ Dienstleistungsorganisation umsetzen sollte, um die Maßnahmen, die die ursprünglichen Organisationen eingeleitet hatten, wie zum Beispiel Stadtbesuche auf dem Fahrrad, Radverkehrsschulungen und die Fahrradforschung, auszuweiten und zu einer festen Einrichtung zu machen.
1995 wurde schließlich der Fietsersbond gegründet, in dem sich alle aktiven flämischen Radförderer vereinigten. „‘t Greun Veloske“ wurde zu einer Brüsseler Sektion. Mit dieser breit angelegten Aufstellung gibt es ein breites Spektrum an relativ spezifischen Organisationen, die Sie auf der Velo-city kennen lernen können.
Brüsseler Fahrradorganisationen in der Übersicht.
„Maison des Cyclistes“, rue de Londres 15 in 1050 Brüssel, ist Haus und Sitz der drei Dachorganisationen, deren Mitglieder kooperieren bzw. vernetzt sind:
Zwei gewerkschaftliche Mitgliedsorganisationen zur Vertretung der Interessen von Fahrradfahrern:
- Le GRACQ – Les Cyclistes quotidiens, frankophone Non-Profit-Organisation zur Förderung des täglichen Radverkehrs
(von 1975 bis 1992 ein nicht rechtsfähiger Verein, anschließend eine Non-Profit-Organisation )
Brüssel und Wallonien: www.gracq.org
- Fietsersbond vzw, niederländischsprachige Non-Profit-Organisation zur Förderung des Radverkehrs.
In Brüssel: www.fietsersbond.be/brussel
In Flandern: www.fietsersbond.be – info[ad]fietsersbond.be
Die beiden Organisationen kooperieren häufig, zum Beispiel anlässlich der Kampagne „’J’achète à vélo’’ (Ich kaufe mit dem Fahrrad ein).
Eine Dienstleistungsorganisation ohne angeschlossene Mitglieder, die Bevölkerung und Behörden bei der Präsentation und Umsetzung von Maßnahmen hilft.
- Pro Velo asbl – Begleitete Fahrradtouren, Bildungsveranstaltungen für Schulen, Erwachsene, Events (Dring Dring...), Fahrradverleih in Brüssel und Wallonien – www.provelo.be – info[ad]provelo.org
Im Umfeld des Maison des Cyclistes gibt es in Brüssel zahlreiche aktive Organisationen
Reine Fahrradorganisationen:
- ECF (European Cyclist’s Federation) Der Europäischer Radfahrerverband ist an der Organisation der Velo-City-Konferenz beteiligt.
- European Union Cyclists' Group – EUCG – Interessenvereinigung von bei der Europäischen Union in Brüssel beschäftigten Radfahrern. Beteiligt sich an vielen Aktionen von GRACQ und des Fietsersbond – www.eucg.eu – mail[ad]eu-cg.info
Neben Fahrradtechnikern („Vélocistes“) gibt es zwei Fahrradwerkstätten, über die Sie Ihr Fahrrad reparieren lassen können
- Ateliers vélo de la rue Voot (älteste Werkstattkette, 1975). Kooperiert unter anderem mit "À Vélo", zuständig für die Koordination des Fahrradwerkstättennetzes in Wallonien – www.avelo.org
- Cyclo (Vlaanderenstraat). Leitet seit einem Jahr das erste Fahrradreparatur- und verleihzentrum Brüssels am Gare du Nord.
- Dynamobile, jährliche grenzüberschreitende Fahrradfamilienreise für 150 Teilnehmer mit Start in Brüssel in alle umliegenden Länder. Zehn Tage im Juli mit Medienberichterstattung, um die Behörden von der wichtigen Rolle des Fahrrads als Transportmittel zu überzeugen – www.dynamobile.net
- Vélo International, organisiert jedes Jahr eine Reise nach Katanga.
- Randovelo und LAF ("Lange Afstand Fietsroutes"). Zuständig für ausgeschilderte Radwege in den drei Regionen abseits der großen Verkehrsadern. Die Wege sind gelb und blau markiert und an RAVeL und die nationalen Fahrradwege (Landelijke Fietsroutes) in Flandern und den Niederlanden angeschlossen. Sie sind in (Rad)Wanderkarten eingezeichnet – www.randovelo.org
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